Haltung


Haltung

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Hal|tung ['haltʊŋ], die; -:
1. Art, in der jmd. dauernd oder vorübergehend seinen Körper hält:
eine aufrechte Haltung; in verkrampfter Haltung dasitzen; Haltung annehmen (strammstehen).
Syn.: Lage, Pose, Position, Stand, Stellung.
Zus.: Kopfhaltung, Körperhaltung, Sitzhaltung.
2. innere Einstellung und das dadurch geprägte Denken, Handeln, Auftreten, Verhalten:
eine ablehnende, feindliche Haltung zu etwas / einer Sache gegenüber einnehmen; eine fortschrittliche, liberale Haltung vertreten; die Haltung (innere Fassung, Beherrschtheit) verlieren, bewahren.
Syn.: Art, Benehmen.
Zus.: Geisteshaltung, Abwehrhaltung, Erwartungshaltung.
3. <mit Attribut> Besitz und Unterhalt:
die Haltung von Haustieren; die Haltung eines Autos kommt [ihr] zu teuer.
Zus.: Geflügelhaltung, Schweinehaltung, Tierhaltung.

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Hạl|tung 〈f. 20
1. das Halten (von Tieren) (Kleintier\Haltung, Vieh\Haltung)
2. Stellung des Körpers od. eines Körperteils im Sitzen, Stehen, Gehen, bei Bewegung (Körper\Haltung, Kopf\Haltung)
3. 〈fig.〉
3.1 Benehmen, Verhalten
3.2 geistige Einstellung, Gesinnung
● \Haltung annehmen sich geraderichten, strammstehen; seine \Haltung bewahren; die \Haltung verlieren; anständige, klare, reservierte, vernünftige, vorbildliche, vornehme \Haltung; eine aufrechte, gute, schlechte, krumme \Haltung haben; bequeme, lässige, stramme \Haltung; feste, sichere \Haltung; geistige, sittliche \Haltung; militärische \Haltung einnehmen; in gebückter \Haltung

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Hạl|tung , die; -, -en [mhd. haltunge]:
1. <Pl. selten> Art u. Weise, bes. beim Stehen, Gehen od. Sitzen, den Körper, bes. das Rückgrat, zu halten; Körperhaltung:
eine gute, gebückte, gerade, aufrechte, [nach]lässige H.;
eine amtliche, dienstliche H. einnehmen;
die H. durch gymnastische Übungen korrigieren;
in [un]bequemer, verkrampfter H. dasitzen;
dem Turner wurden wegen schlechter H. Punkte abgezogen;
H. annehmen, (selten:) einnehmen (Militär; strammstehen).
2.
a) <Pl. selten> innere [Grund]einstellung, die jmds. Denken u. Handeln prägt:
eine sittliche, religiöse, liberale, progressive, konservative H.;
eine fortschrittliche, ablehnende, zögernde, klare, zwiespältige, undurchsichtige H. in, zu einer Frage einnehmen;
b) <Pl. selten> Verhalten, Auftreten, das durch eine bestimmte innere Einstellung, Verfassung hervorgerufen wird:
eine mutige, entschlossene H. zeigen;
eine vornehme, ruhige, selbstbewusste H. zeichnete ihn aus;
sie war beispielhaft, vorbildlich in ihrer H.;
c) <o. Pl.> Beherrschtheit; innere Fassung:
die H. verlieren, wiedergewinnen;
etw. in, mit H. aufnehmen, hinnehmen, geschehen lassen, tun;
um H. kämpfen, ringen.
3.
a) <o. Pl.> Tierhaltung (1 a):
die H. von Zuchtvieh;
b) Tierhaltung (1 b):
Eier aus artgerechter H.

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Haltung,
 
1) Medizin: Körperhaltung, das äußere Erscheinungsbild des Körpers im Stand oder aufrechten Gang, insbesondere bezogen auf den Verlauf und die Krümmungen der Wirbelsäule. Während die Form der Wirbelsäule in erster Linie durch die knöchernen Bauteile bestimmt wird und im Idealfall durch harmonische Krümmungen der einzelnen Abschnitte gekennzeichnet ist (Halswirbelsäulenlordose, Brustwirbelsäulenkyphose, Lendenwirbelsäulenlordose), wird die Haltung durch den Zustand der Muskulatur geprägt, d. h. in erster Linie der Rücken-, Bauch-, Gesäß- und Schultermuskulatur. Haltungsfehler sind durch Abweichungen von der normalen ausgewogenen Haltung gekennzeichnet, wobei Haltungsschwächen durch Anspannung der Muskulatur unmittelbar zu korrigieren sind, ein Haltungsverfall hingegen nur durch langfristige Krankengymnastik, eventuell auch durch orthopädische Hilfsmittel (z. B. Korsett oder Liegeschale) zu beheben ist. Beim Rundrücken ist die Ausbiegung der Brustwirbelsäule nach hinten (Kyphose) verstärkt, beim Hohlkreuz die Ausbiegung der Lendenwirbelsäule nach vorn (Lordose) mit gleichzeitig verstärkter Kippung des Beckens nach vorn. Der Hohlrundrücken ist eine Kombination von Rundrücken und Hohlkreuz. Beim Flachrücken sind Brustkyphose und Lendenlordose gemindert oder aufgehoben, die dabei fehlende Möglichkeit der Belastungsdämpfung erklärt die hierbei gehäuft auftretenden Wirbelsäulenbeschwerden. Ursächlich für Haltungsfehler sind u. a. mangelnde körperliche Aktivität sowie ungünstige Sitz- und Arbeitshaltungen, wobei eine besondere Anfälligkeit während des Wachstumsschubes in der Pubertät besteht. Formabweichungen der Wirbelsäule zur Seite werden als Skoliose bezeichnet und gehen auf knöcherne Veränderungen der Wirbelkörper zurück. Sie sind nur durch langfristige Krankengymnastik, Korsettversorgung und gegebenenfalls operative Maßnahmen zu korrigieren. Hingegen ist die skoliotische Fehlhaltung korrigierbar, Ursachen sind z. B. muskuläre Schwächen oder ein Beckenschiefstand infolge Beinlängenunterschieds. Die Behandlung der Haltungsfehler umfasst sportliche Aktivitäten, Krankengymnastik, eventuell in Form der so genannten Rückenschule, Vermeidung ungünstiger Arbeitspositionen, in schweren Fällen auch orthopädische Hilfsmittel (z. B. Korsett).
 
 
B. Borowski: Einseitige Körper-H. am Arbeitsplatz (1981);
 
H. u. Bewegung beim Menschen, bearb. v. W. Berger u. a. (1984);
 W. Ortner u. E. Skribot: Wirbelsäulentraining (Wien 1985).
 
 2) Philosophie: In der Ethik versteht man unter Haltung die durch Einübung in allgemein anerkannte zwischenmenschliche Verhaltensmuster gewonnene und zur Gewohnheit gewordene innere Einstellung, aus der heraus Handlungen moralisch beurteilt und ausgeführt werden. - In der Kulturanthropologie und der Existenzphilosophie (E. Rothacker, K. Jaspers) wurde die Haltung auch als »Lebensstil« definiert, als eine vom Individuum gewählte und beibehaltene Verhaltensform, in der auf Lebenssituationen geantwortet wird.
 
 3) Psychologie, Soziologie: Einstellung.
 
 4) Wasserbau: gestauter Flussabschnitt oder Abschnitt eines Schifffahrtskanals zwischen zwei Schleusen oder Hebewerken.
 

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Hạl|tung, die; -, -en [mhd. haltunge]: 1. <Pl. selten> Art u. Weise, bes. beim Stehen, Gehen od. Sitzen, den Körper, bes. das Rückgrat, zu halten; Körperhaltung: eine gute, gebückte, gerade, aufrechte, [nach]lässige H.; eine amtliche, dienstliche H. einnehmen; aus starren gelben Augen blickte sie zur Seite, ihre H. war von selbstverständlicher Anmaßung (Rolf Schneider, November 79); Etwa 200 vor dem Haus versammelte Gleichgesinnte nehmen gegenüber der Polizei eine drohende H. ein (MM 10. 5. 80, 1); Dann versucht der Staatsanwalt, exakt die H. des erschossenen Desperados einzunehmen, horizontal auf dem Rücken, in einer leichten Linksseitenlage (Spiegel 39, 1993, 35); die H. durch gymnastische Übungen korrigieren; in [un]bequemer, verkrampfter H. dasitzen; weil nur Helena keine Anleitung brauchte, um in klassischer H. dazustehen (Geissler, Wunschhütlein 185); Gegrüßt wurde in strammer H. (Kühn, Zeit 318); Änderungen, die der Verkäufer in serviler H. ... vorzunehmen versprach (Thieß, Legende 119); dem Turner, dem Skispringer wurden wegen schlechter H. Punkte abgezogen; H. annehmen, (selten:) einnehmen (Milit.; strammstehen); Ich, Herr Hauptfeld, sagte der Bildhauer, und deutete H. an (Kuby, Sieg 39). 2. a) <Pl. selten> innere [Grund]einstellung, die jmds. Denken u. Handeln prägt: eine sittliche, religiöse, liberale, progressive, konservative H.; eine fortschrittliche, ablehnende, zögernde, klare, zwiespältige, undurchsichtige H. in, zu einer Frage einnehmen; Sie ist in dieser Zeit das einzige Familienmitglied, das die politische H. des Vaters eindeutig und scharf zu kritisieren wagt (Reich-Ranicki, Th. Mann 185); Dem Präsidenten versuchte ich zu erklären, welche H. wir nach meiner Meinung zum westlichen Bündnis und zu Europa mit einem wieder vereinigten Deutschland einnehmen sollten (Spiegel 42, 1993, 172); Die Gründung der Nationalliberalen Partei entsprach einem ... Umschwung in der H. des deutschen Bürgertums (Fraenkel, Staat 185); b) <Pl. selten> Verhalten, Auftreten, das durch eine bestimmte innere Einstellung, Verfassung hervorgerufen wird: eine mutige, entschlossene H. zeigen; eine vornehme, ruhige, selbstbewusste H. zeichnete ihn aus; die Uniform schreibt ihrem Träger eine bestimmte äußere H. vor; jmdn. aus seiner reservierten H. locken; sie war beispielhaft, vorbildlich in ihrer H.; c) <o. Pl.> Beherrschtheit; innere Fassung: feste H. zeigen, bewahren; die H. verlieren, wiedergewinnen; Der Resident Berginck zog heftig an seiner Zigarre, um sich H. zu geben (Baum, Bali 191); etw. in, mit H. aufnehmen, hinnehmen, geschehen lassen, tun; um H. kämpfen, ringen. 3. <o. Pl.> Tierhaltung: die H. von Zuchtvieh; Nicht nur auf dem Erikshof hatte man sich auf die H. von Dam- und Rotwild verlegt (Brückner, Quints 137); junge, frische, bratfertige Qualitätsgänse aus natürlicher H. (Abend 11. 11. 80, 7).

Universal-Lexikon. 2012.

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